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Tabulatur
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Die Tabulatur (wie italienisch tabulare ‚tabellarisch ordnen‘, von lateinisch tabula ‚Tafel‘, ‚(Spiel-)Brett‘) oder Griffzeichenschrift ist in der Musik eine Art der Notation fĂŒr MusikstĂŒcke. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurden Tabulaturen dazu erfunden, mehrere Stimmen polyphoner Vokalmusik fĂŒr ein Instrument zusammenzuschreiben, zu tabulieren.

In der europĂ€ischen Musik wurden im spĂ€ten Mittelalter, der Renaissance und im Barock verschiedene Formen von Tabulaturen fĂŒr Tasteninstrumente wie Orgel, Cembalo und Virginal sowie fĂŒr Saiteninstrumente wie Laute, Theorbe, Vihuela, Gitarre, Gambe und Harfe verwendet.

Orgeltabulaturen verwenden Tonbuchstaben (deutsch), Ziffern (spanisch) oder Notensymbole auf Linien (italienisch) und sind Tonschriften, die auch mit anderen Instrumenten gespielt werden können. Tabulaturen fĂŒr Lauteninstrumente verwenden Buchstaben (französisch) oder Ziffern (spanisch, italienisch) auf die Saiten darstellenden Linien oder (wie in deutschen Tabulaturen) freie Buchstaben und Ziffern (siehe Historische Lauten- und Gitarrentabulaturen). Lauteninstrumente unterscheiden sich durch ihre verschiedene Saitenzahl und Stimmung voneinander; ihre Tabulaturen sind instrumentenspezifische Griffschriften.

Auch in vielen außereuropĂ€ischen Musikkulturen sind Tabulaturnotationen verbreitet. In Japan beispielsweise wird Musik fĂŒr Saiteninstrumente fast ausschließlich in Tabulatur niedergeschrieben, wobei nicht nur jedes Instrument, sondern auch jede Schule ihre eigene Notationsweise besitzt.

Tabulaturen bzw. Griffschriften fĂŒr Harmonikainstrumente: siehe Akkordeonschule.

Contents

‱ Literatur
‱ Siehe auch
‱ Weblinks

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Tasteninstrumente

Neue deutsche Orgeltabulatur

Die neue deutsche Orgeltabulatur (oft auch norddeutsche Orgeltabulatur genannt) grenzt sich wesentlich von anderen Tabulatur-Notationssystemen ab, denn es handelt sich hierbei nicht um eine instrumentenspezifische Notationsweise, sondern vielmehr um eine universelle, ungleich platzsparendere Art, Musik graphisch darzustellen. Sie entwickelte sich in der zweiten HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts aus der sogenannten alten deutschen Orgeltabulatur, die ihrerseits eine Kombination aus Linien- (fĂŒr die obere Stimme) und Buchstabennotation (fĂŒr die unteren Stimmen) darstellt. Die neue deutsche Orgeltabulatur wurde im 17. Jahrhundert zunehmend fĂŒr Partiturniederschriften jeglicher Art von instrumentaler und vokaler Musik genutzt. So sind die meisten der geistlichen Vokalkonzerte Dieterich Buxtehudes beispielsweise ausschließlich in Tabulatur ĂŒberliefert.

Die neue deutsche Orgeltabulatur ist eine Notenschrift, die sich ausschließlich aus Buchstaben und Zeichen zusammensetzt. Jede Stimme besteht aus drei Ebenen:

1. der Angabe des Notenwertes
2. der Angabe der jeweiligen Oktave
3. der Angabe des Notennamens durch einen Buchstaben (Alterationen werden durch leichte Modifikationen des Buchstabens deutlich gemacht)

Die einzelnen Stimmen werden entsprechend der „modernen“ Partiturschrift untereinander angeordnet.

Die Grafik rechts verdeutlicht den Aufbau der neuen deutschen Orgeltabulatur am Beispiel des ersten Taktes des weiter unten angefĂŒhrten Geistlichen Konzertes „Wachet auf ruft uns die Stimme“ von Franz Tunder. Eine Alteration findet sich gleich zu Beginn des ersten Taktes in Stimme 3. Sie wird durch einen starken Niederstrich, der an den Buchstaben (in diesem Falle ‚f‘) angehĂ€ngt wird, deutlich gemacht. Durch diese sehr ökonomische Notationsweise werden NotenschlĂŒssel und Tonartvorzeichnungen ĂŒberflĂŒssig.

Die einzelnen Stimmen werden mitunter, wie auch in diesem Beispiel, aus GrĂŒnden der Platzersparnis relativ dicht untereinander geschrieben, sodass sich Buchstaben und Zeichen oft ĂŒberschneiden. Der große Abstand zwischen 3. und 4. Stimme ist mit der spĂ€ter einsetzenden Gesangsstimme zu begrĂŒnden.

Die Übertragung einer in neuer deutscher Orgeltabulatur geschriebenen Partitur in „moderne“ Notenschrift sieht folgendermaßen aus (links das Original, rechts die Übertragung), hier durchgefĂŒhrt an dem Beginn des Geistlichen Konzertes Wachet auf ruft uns die Stimme fĂŒr Sopran, 3 Violinen und Basso Continuo des LĂŒbecker Organisten und Werkmeisters Franz Tunder (1614–1667):

Spanische Orgeltabulatur

Juan Bermudo erwĂ€hnt 1555 zwei numerische Tabulatursysteme fĂŒr die Notation von Musik fĂŒr Tasteninstrumente. GebrĂ€uchlich wurde jedoch in Spanien ein anderer Tabulaturtyp, der zum ersten Mal durch Luis Venegas de Henestrosa als cifra nueva ĂŒberliefert ist.

In dieser Tabulatur bekommt jede Stimme eine Linie. Die Tonhöhen werden als Ziffern notiert, und zwar von f = 1 bis e1 = 7. Als Oktavzeichen dienen entweder Punkte oben hinter der Note (Erhöhung um eine Oktave pro Punkt) oder Striche unten an der Note (Erniedrigung um eine Oktave pro Strich). Vorzeichen werden als b (Erniedrigung) und x bzw. * (Erhöhung) hinter die Note gesetzt.

Der Rhythmus wird ĂŒber dem Notensystem notiert, indem die Dauer als kleine Note angezeigt wird, nach der die nĂ€chste zu spielende Note eintritt. Sich wiederholende Dauern werden nicht erneut notiert. Soll eine Stimme pausieren, wird dies in der Stimme durch einen SchrĂ€gstrich angezeigt. Außerdem gibt es ein Zeichen fĂŒr die Überbindung, das die Form eines Kommas hat.

Taktart und Grundvorzeichen werden vor dem ersten System notiert, dort werden Kreuze jedoch mit dem heutigen Auflösungszeichen dargestellt.

Diese Art der Tabulatur war bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts gebrĂ€uchlich. Sie eignet sich besonders fĂŒr den Druck mit Typen und war daher leichter zu vervielfĂ€ltigen als die Notenschrift.

Saiteninstrumente

Historische Lauten- und Gitarrentabulaturen

Seit dem Aufkommen des polyphonen Spiels auf der Laute um 1500 bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde Musik fĂŒr Laute und Lauteninstrumente wie Orpharion, Theorbe, Colascione, Angelique, Cister, Mandora, Vihuela und Gitarre in Form der Tabulatur notiert. Erste Lautentabulaturen dĂŒrften bereits vor 1473cite-ref-1[1] entstanden sein. Die Ă€lteste erhaltene gedruckte Lautentabulatur stammt von dem italienischen Musikverleger und Notendrucker Ottaviano Petrucci aus dem Jahr 1507.cite-ref-2[2]cite-ref-3[3] Die Ă€ltesten LautenbĂŒcher enthalten Tabulaturen mit Tabulierungen von GesangsstĂŒcken wie Motetten, Madrigalen oder Canzonen.cite-ref-4[4] Man kann unterscheiden zwischen Tabulaturtypen, die auf Linien notiert werden, so genannten romanischen Lautentabulaturen (italienische, französische, spanische, neapolitanische), und einem Typus, der ohne Linien auskommt (deutsche Tabulatur).

FrĂŒhe Gitarrentabulaturen (fĂŒr die vierchörige Gitarre) stammen von Alonso Mudarra (1546) und Miguel de Fuenllana (1554).

Der Rhythmus der Musik wird bei allen Tabulaturformen ĂŒber den betreffenden Tabulaturzeichen (den Zahlen oder Buchstaben) notiert. Dazu werden Notenzeichen verwendet, zunĂ€chst die weiße Mensuralnotation (in spanischen, manchen italienischen und frĂŒhen deutschen Tabulaturen), im 17. Jahrhundert vermehrt auch moderne Notenzeichen. Auch reduzierte Formen waren verbreitet, nĂ€mlich FĂ€hnchen am Notenhals ohne Kopf. Bei den Mensuralnotenzeichen in reduzierter Form wurden NotenhĂ€lse mit zwei und mehr FĂ€hnchen oft zu Zweier- oder Vierergruppen verbunden (16. Jahrhundert, „Leiterlein“). Dabei bedeuten im Einzelnen:

‱ Einfacher Notenhals mit kurzem FĂ€hnchen links: Brevis (Doppelganze Note)
‱ Einfacher Notenhals ohne FĂ€hnchen: Ganze Note
‱ Notenhals mit einem FĂ€hnchen rechts: Halbe Note
‱ Notenhals mit zwei FĂ€hnchen rechts: Viertelnote
‱ Notenhals mit drei FĂ€hnchen rechts: Achtelnote
‱ Notenhals mit vier FĂ€hnchen rechts: Sechzehntelnote

Die Rhythmuszeichen bezeichnen jedoch nicht einzelne Tondauern (Notenwerte), sondern sie markieren die Dauer bis zum Erklingen des nÀchsten Tones. Folgen einander Dauern gleicher LÀnge, wird dies meist nicht erneut notiert.

In französischen Tabulaturen begegnen folgende Hilfszeichen: Zur Kennzeichnung gehaltener Noten (Tenuto) werden diagonale Linien von den zu haltenden Tönen bis zum Ende der Tondauer benutzt. SchrĂ€gstriche zwischen den Tabulaturbuchstaben eines Akkords bezeichnen das SeparĂ©e-Spiel (rasch nacheinander anschlagen).cite-ref-5[5] In Lautentabulaturen sind Bindebögen erst seit der Mitte des 17. Jahrhunderts belegt.cite-ref-6[6] Zur Bezeichnung des Fingersatzes der rechten Hand werden ein bis drei Punkte fĂŒr Zeige-, Mittel- und Ringfinger notiert sowie ein kleiner, senkrechter Strich unter dem Tabulaturbuchstaben als Symbol fĂŒr den Daumen.

Romanische Lautentabulaturen und Gitarrentabulaturen

Bei den romanischen Lautentabulaturen (ab ca. 1500) werden sechs horizontale Linien verwendet, welche die sechs Spielchöre der Laute ĂŒber dem Griffbrett darstellen (Chor = Saitenpaar).

Bei der bis 1616 (fĂŒr die Basslaute bis etwa 1670)cite-ref-7[7] verwendete italienischen Tabulatur (italienisch intavolatura) steht die unterste Linie fĂŒr den höchsten Chor. FĂŒr die Bundpositionen werden Zahlzeichen verwendet, wobei 0 den nicht gegriffenen Chor bedeutet, 1 den ersten Bund, 2 den zweiten Bund usw. FĂŒr den siebten Chor wird von einigen Autoren eine 0 ĂŒber dem Liniensystem verwendet, andere Autoren verwenden eine waagrecht durchgestrichene 0 ĂŒber dem Liniensystem. FĂŒr den achten und neunten Chor werden die arabischen Zahlzeichen 8 und 9 benutzt, fĂŒr den zehnten Chor dagegen das römische Zahlzeichen X (ĂŒber dem Liniensystem). FĂŒr den elften Chor verwenden manche Autoren die 11 (auch „ij“ notiert), andere dagegen ein V, das wohl aus der 11 hervorgegangen sein dĂŒrfte. FĂŒr den zwölften bis 14. Chor werden meist die Zahlzeichen 12 bis 14 verwendet.

Bei der französischen Tabulatur und der spanischen Tabulatur (letztere fĂŒr Vihuela bei Luis de MilĂĄn, 1536) stellt die oberste Linie den höchsten Chor dar. Bei der spanischen Tabulatur werden wie bei der italienischen Zahlzeichen verwendet. Die französische Lautentabulatur (wie sie etwa von Guillaume Morlay (Le premier livre de chansons. 1552), Adrian Le Roy und Robert Ballard (Troisieme livre de tabulature de guiterre. 1552) sowie fĂŒr Johann Sebastian Bachs Lautenwerke verwendet wurde) dagegen verwendet Buchstaben, wobei a den nicht gegriffenen Chor bedeutet, b den ersten Bund, c den zweiten Bund usw. Der Buchstabe c ist in der Mehrheit der erhaltenen französischen Lautentabulaturen durch r ersetzt. In Frankreich wird in den französischen Lautentabulaturen ab ca. 1630 der Buchstabe e in der Form eines griechischen φ geschrieben. Zur Bezeichnung der nicht gegriffenen Basschöre (Bordunsaiten) wird der Buchstabe a unter dem Liniensystem verwendet. Dabei ist a der siebte Chor, /a der achte, //a der neunte, ///a der zehnte Chor (statt /a, //a, ///a schreiben manche englische Autoren 1, 2, 3). FĂŒr den elften bis 14. Chor werden allgemein die Zahlzeichen 4, 5, 6 und 7 verwendet.cite-ref-8[8]

Akkordtöne werden senkrecht ĂŒbereinander geschrieben, wobei in der Anwendung fĂŒr Barockgitarre (und Chitarra battente) zum jeweiligen Akkord gehörende nicht gegriffene Chöre („leere Saiten“) hĂ€ufig nicht notiertcite-ref-9[9] sind.

Deutsche Lautentabulatur

Die Herkunft der linienlosen deutschen Tabulatur lĂ€sst sich bis ins 15. Jahrhundert zurĂŒckverfolgen. Der blinde Organist Conrad Paumann gilt als ihr Erfinder.cite-ref-10[10] Sie wurde im deutschen Sprachgebiet bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts verwendet (DƂugoraj 1619, Königsberger Lautenbuch u. a.).

Bei der deutschen Lautentabulatur sind die zu greifenden Töne durch ĂŒber- und nebeneinander angeordnete Zahlen und Buchstaben gekennzeichnet. Die ersten fĂŒnf Chöre sind in der Tabulatur mit 1–5 durchnummeriert (1 ist der tiefste, 5 der höchste Chor). Die Griffpositionen werden durch einen Buchstaben des Alphabetes bezeichnet, d. h. der erste Chor im ersten Bund ist der Buchstabe a, der zweite Chor im ersten Bund der Buchstabe b, der dritte Chor im ersten Bund der Buchstabe c, der vierte Chor im ersten Bund der Buchstabe d, der fĂŒnfte Chor im ersten Bund der Buchstabe e; der erste Chor im zweiten Bund ist der Buchstabe f, der zweite Chor im zweiten Bund der Buchstabe g usw.

Die Buchstaben j, u, w wurden nicht verwendet. DafĂŒr werden zwei weitere Zeichen benutzt, nĂ€mlich et (Ă€hnlich dem Zahlzeichen 7) fĂŒr die Position vierter Chor / fĂŒnfter Bund sowie con (Ă€hnlich dem Zahlzeichen 9) fĂŒr den fĂŒnften Chor im fĂŒnften Bund. Ab dem sechsten Bund aufwĂ€rts, werden die Buchstaben des Alphabetes wiederholt, wobei entweder ein Apostroph hinzugefĂŒgt wird (a', b', 
), Beistriche ĂŒber den Buchstaben, oder die Buchstaben verdoppelt werden (aa, bb, 
).

Um 1500 wurde der europĂ€ischen Laute in der Tiefe ein sechster Chor hinzugefĂŒgt. Die Symbole fĂŒr den sechsten Chor und seine Bundpositionen variieren je nach Autor (Hans Judenkönig, Hans Neusidler, Hans Gerle, MatthĂ€us Waissel). So ist bei Gerle der sechste Chor mit einer mit einem Oberstrich versehenen 1 bezeichnet und die BĂŒnde mit den ĂŒberstrichen Ziffern 2, 3 usw.

Akkordtöne werden senkrecht ĂŒbereinander geschrieben. Melodische Bewegungen werden ungeachtet der jeweiligen Stimmlage in der obersten Linie notiert.

Die Saitennamen (bei Ottaviano Petruccicite-ref-11[11] lauteten Contrabasso, Bordone, Tenore, Mezzana, Sottana und Canto.

Alfabeto und Cifras

Ein spezieller Fall ist die von Juan Carlos Amat (als Cifras) entwickeltecite-ref-12[12] und nach 1580cite-ref-13[13]cite-ref-14[14] aufkommende sowie im 17. Jahrhundert verbreitete Bezeichnung der hĂ€ufig wiederkehrenden Akkordgriffe in der Tabulatur fĂŒr Gitarre. In Spanien wurden dazu arabische Ziffern (Cifras) sowie Symbole benutzt. In Italiencite-ref-15[15] (so bei Francesco Palumbi und 1606 bei Girolamo Montesardocite-ref-16[16]) wurden zur Bezeichnung der Akkordgriffe lateinische Großbuchstaben und Symbole verwendet, das so genannte Alfabeto (auch Alfabetto und Alphabeto, in Spanien auch Abecedario oder ABCedariocite-ref-17[17] genannt), welches auch in Spanien sowie im deutschen und französischen Sprachraum ein verbreitetes System war. Die Buchstaben in Tabulaturen (etwa von Gaspar Sanzcite-ref-18[18] oder Corbetta) fĂŒr die Barockgitarre bezeichnen jedoch keine Tonarten und dementsprechend können die dadurch angezeigten Akkorde transponiert werdencite-ref-19[19] (so bedeutet – in der „ersten“ Lage – z. B. + einen e-Moll Griff, A einen G-Dur-Griff, nicht A-Dur oder a-Moll, B bezeichnet den Griff fĂŒr C-Dur, C fĂŒr D-Dur, D fĂŒr a-Moll, E fĂŒr d-Moll, 
 I fĂŒr A-Dur, K fĂŒr b-moll, L fĂŒr c-moll, M fĂŒr Es-Dur.). Eine Zahl ĂŒber dem Buchstaben kann die relative Lage der Greifhand anzeigen: Steht keine Zahl darĂŒber, so steht A fĂŒr G-Dur, mit einer 3 darĂŒber fĂŒr eine Verschiebung des Griffes um zwei BĂŒnde auf Griffbrett und es erklingt dann ein H-Dur-Akkord. Zudem wird durch nach unten bzw. oben gerichtete Striche die Richtung der anschlagenden Hand bezeichnet. Einige Komponisten wie Foscarini (um 1632, mit alfabeto dissonante) und Carlo Calvi (1646, mit alfabeto falso) benutzten auch Zeichen fĂŒr alterierte („dissonante“) Akkorde. Diese Art der Notationcite-ref-20[20] lĂ€sst allerdings kaum eine anspruchsvolle StimmfĂŒhrung zu (Im Syntagma musicum vergleicht Michael Praetorius solches Musizieren mit dem „Schrumpen“ der Komödianten und Possenreißer).cite-ref-21[21] Nach 1630 integrierten italienische Gitarrenkomponisten das Alfabeto auch in das Liniensystem der Tabulatur. In einem solchen gemischten System wurden die beim Akkordspiel wegzulassenden Töne bzw. Saiten mit einem Punkt gekennzeichnet.cite-ref-22[22] Das Alfabeto war bis in die zweite HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts in Gebrauch (Antoine Bailleux, 1773). Eine Kombination von Alfabeto (fĂŒr das ragueado) und Melodiespiel (punteado) findet sich erstmals 1629 bei Foscarini.cite-ref-23[23]

Eine Kombination von Akkordsymbolen mit darĂŒber notierten Ziffern und Symbolen zur Angabe von Melodie und Rhythmus stellte im 20. Jahrhundert der australische Gitarrist Joe Washington als Strata-System vor.cite-ref-24[24]

Moderne Gitarrentabulatur

Die moderne Gitarrentabulatur entspricht in der Anordnung der Saitenlinien (die höchste Saite entspricht der obersten Linie) und durch die Verwendung von Bundziffern der sogenannten spanischen Tabulatur. Der Rhythmus kann mit ĂŒber den Zahlen stehenden Notenzeichen angegeben werden. Im Gegensatz zu den historischen Tabulaturen verfĂŒgt die moderne Gitarrentabulatur ĂŒber ein erweitertes Zeichenrepertoire fĂŒr spezielle Spieltechniken und oftmals ĂŒber ein zweites System mit einer Transkription der Tabulatur in moderne Notenschrift, gelegentlich ergĂ€nzt durch Akkordsymbole und Akkord-Griffbilder.

Computergenerierte Tabulaturen

ASCII-Tabulaturen

Eine elementare Methode der Tabulaturerzeugung am Computer ist die insbesondere in den Anfangszeiten des Internets weit verbreitete ASCII-Tabulatur, die sich mit einfachen Texteditoren erzeugen lÀsst.

Eine rudimentÀre ASCII-Tabulatur mit dem Anfang der englischen Melodie Greensleeves:

e|-------------0---1-0------------------------------------------
h|------1---3-----------3---0--------0--1---------------0-------
G|---2--2------0--------0------0---2----2---2--2---1-2------1---
D|-----------------------------0-------------------------------2
A|------0------3------------------------0------0----------------
E|----------------------3------3------------------------0-------

Notensatzprogramme

Moderne Notensatzprogramme wie beispielsweise MuseScore ermöglichen in der Regel auch die Erstellung unterschiedlicher Tabulaturtypen. Auch mit textbasierten Programmen wie LilyPond oder dem auf der ABC Musiknotation beruhenden Zusatzprogramm abctab2ps können mit den entsprechenden Kenntnissen Tabulaturen erzeugt werden.

Tabulaturprogramme

Ein Tabulaturprogramm ist eine eigenstĂ€ndige Software zur Erstellung von Tabulaturen am Computer. Viele Tabulatur-Editoren richten sich primĂ€r an Musiker populĂ€rer Genres und verfĂŒgen daher neben einem besonderen Zeichenvorrat fĂŒr spezielle Spieltechniken beispielsweise der E-Gitarre und Möglichkeiten zur Erzeugung von mehrspurigen Begleittracks (Bass, Schlagzeug) oftmals lediglich ĂŒber rudimentĂ€re, in der Stimmanzahl reduzierte Darstellungsmöglichkeiten bei der Ausgabe in Standdardnotation. Bei Tabulatur-Editoren fĂŒr Renaissance- und Barocklaute wie Django, Fandango oder Fronimo versuchen die Programmierer, das visuelle Erscheinungsbild historischer Tabulaturausgaben nachzuahmen. Seit den 1970er Jahren werden zudem die Möglichkeiten der durch Computerprogramme unterstĂŒtzten Transkription historischer Tabulaturquellen erforscht.cite-ref-25[25]

‱ Guitar Pro ist ein kommerzielles Notensatz- und Tabulaturprogramm, welches erstmals mit der Version 5 zum Abspielen seiner Dateien eine eigene Sound Bibliothek mitbrachte.
‱ Power Tab ist ein Closed-Source-Freeware-Programm zum Betrieb unter Windows.
‱ TaBazar ist ein ehemals kommerzielles Programm, das von seinem Entwickler seit 2012 zur kostenlosen Nutzung freigegeben wurde. Im Gegensatz zu vielen anderen Editoren kann TaBazar Tabulaturen fĂŒr unterschiedliche Saiten- und Perkussionsinstrumente bei Bedarf auch als bis zu vierstimmige polyphone NotensĂ€tze darstellen.
‱ TuxGuitar ist plattformĂŒbergreifendes, freies Programm (LGPL), welches unter anderem die Guitar-Pro- und Power-Tab-Dateiformate verarbeiten kann.
‱ TEFview ist eine Freeware, mit der mit dem kommerziellen Tabulatur-Editor TablEdit erzeugte Tabulaturen angeschaut, abgespielt und ausgedruckt werden können.

Beispiel fĂŒr eine mit modernen Notensatz- bzw. Tabulaturprogrammen erzeugte Gitarrentabulatur fĂŒr E-Gitarre:

Literatur

‱ Wolfgang Boetticher: Handschriftlich ĂŒberlieferte Lauten- und Gitarrentabulaturen des 15. bis 18. Jahrhunderts. (= RĂ©pertoire International des Sources Musicales. Band 7). GĂŒnter Henle, MĂŒnchen 1978; Neuausgabe 1986, ISBN 3-87328-012-4.
‱ Rudolf Flotzinger: Tabulatur. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 5, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2006, ISBN 3-7001-3067-8.
‱ Rudolf Flotzinger: Lautentabulatur. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2004, ISBN 3-7001-3045-7.
‱ Helmut Mönkemeyer (Hrsg.): Die Tabulatur. AusgewĂ€hlte Werke in ihrer Originalnotation mit Übertragunen fĂŒr Laute (oder ein Tasteninstrumen) und Gitarre. Friedrich Hofmeister, Hofheim am Taunus 1965 ff., Heft 1 ff.
‱ Heinz Nickel: Gitarrentabulaturen. In: Gitarre & Laute. Band 1, Heft 1, 1979, S. 48–51, und Heft 3, 1979, S. 42–44.
‱ Matanya Ophee: The History of Transcriptions of Lute Tablature – 1679 to the Present. (Online-Version). 19. Januar 2004.
‱ Kateryna Schöning: Loci communes und Tabulaturen des 16. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum. Hollitzer, Wien 2025 (Wiener Forum fĂŒr Ă€ltere Musikgeschichte, Band 16), ISBN 978-3-99094-610-7.
‱ Reginald Smith Brindle: Antonio Casteliono: Intabolatura de leuto de diversi autori. Trascrizione in notazione moderna. Edizioni Suvini Zerboni, Mailand 1974, insbesondere S. III–XXIV (Vorwort und AnhĂ€nge), mit 39 Werken von Francesco da Milano, Alberto da L’Aquila, Pietro Paulo Borrono und Jacobo Albutio da Milano.
‱ James Tyler: A guide to playing the baroque guitar. Indiana University Press, Bloomington/Indianapolis 2011, ISBN 978-0-253-22289-3, S. 8–29 (Reading Tablature Notation) und passim.

Siehe auch
Weblinks

Commons

: Tabulatur

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wiktionary: Tabulatur

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Wie man Gitarren-Tabulaturen liest
‱ Viele Gitarren-Tabulaturen aller Stilrichtungen (Folk bis Rock) (englisch)
‱ Handschriftliche Tabulaturen und StimmbĂŒcher bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts
‱ Geschichte der Gitarre: Die Tabulatursysteme
‱ Virtuelle Ausstellung: Etlich Liedlein – Tabulaturhandschriften in der Bayerischen Staatsbibliothek

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Peter PĂ€ffgen: Lautenmusik vor 1500. In: Gitarre & Laute. Band 9, Heft 6, 1987, S. 58–61.
cite-note-22. ↑ Francesco Spinacino: Intabulatura de Lauto, Libro primo. Venedig 1507.
cite-note-33. ↑ Helmut Mönkemeyer (Hrsg.): Die Tabulatur. Heft 6–8. Friedrich Hofmeister, Hofheim am Taunus 1967, hier: Heft 6 (Joan Ambrosio Dalza, Intabulatura de Lauto. Petrucci, 1508. Teil I), S. 2–3.
cite-note-44. ↑ Adalbert Quadt: Lautenmusik aus der Renaissance. Nach Tabulaturen hrsg. von Adalbert Quadt. Band 1 ff. Deutscher Verlag fĂŒr Musik, Leipzig 1967 ff.; 4. Auflage ebenda 1968, Band 2, Vorwort (1967).
cite-note-55. ↑ James Tyler (2011), S. 8–18.
cite-note-66. ↑ Adalbert Quadt: Lautenmusik aus der Renaissance. Nach Tabulaturen hrsg. von Adalbert Quadt. Band 1 ff. Deutscher Verlag fĂŒr Musik, Leipzig 1967 ff.; 4. Auflage ebenda 1968, Band 2, EinfĂŒhrung.
cite-note-77. ↑ Josef Zuth: Handbuch der Laute und Gitarre. Verlag der Zeitschrift fĂŒr die Gitarre (Anton Goll), Wien 1926 (1928), S. 147.
cite-note-88. ↑ Vgl. etwa Edmund Wensiecki: Johann Sebastian Bach (1685–1759). Lautenmusik. FĂŒr die Gitarre neu bearbeitet und herausgegeben, mit einer kurzen EinfĂŒhrung in die Lautentabulatur. Musikverlag Friedrich Hofmeister, Hofheim am Taunus 1965; 8. Auflage ebenda 1977, S. 73–80.
cite-note-99. ↑ James Tyler (2011), S. 12.
cite-note-1010. ↑ So Sebastian Virdung, Musica getutscht (Basel 1511), und Martin Agricola, Musica instrumentalis deudsch (Wittenberg 1529), zitiert in: Oswald Körte: Laute und Lautenmusik. Leipzig 1901, S. 76 f.
cite-note-1111. ↑ Vgl. Helmut Mönkemeyer (Hrsg.): Hans Gerle: Sieben LautenstĂŒcke aus „Musica Teutsch“ 1532 (= Die Tabulatur. Heft 2). Friedrich Hofmeister, Hofheim am Taunus o. J. (= FH. Band 4551), S. 2.
cite-note-1212. ↑ Jerry Willard (Hrsg.): The complete works of Gaspar Sanz. 2 BĂ€nde, Amsco Publications, New York 2006 (Übersetzung der Originalhandschrift durch Marko Miletich), ISBN 978-0-8256-1695-2, Band 1, S. 9.
cite-note-1313. ↑ Vgl. etwa James Tyler: The Role of the Guitar in the Rise of Monody: The Earliest Manuscripts. In: Journal of Seventeenth-Century Music, Band 9, Nr. 1, 2004; Online: Beispiel aus dem Jahr 1584.
cite-note-1414. ↑ Vgl. auch James Tyler: A guide to playing the baroque guitar. Indiana University Press, Bloomington/Indianapolis 2011, ISBN 978-0-253-22289-3, S. 10–11 (Alfabeto).
cite-note-1515. ↑ Vgl. auch Nina Treadwell: Guitar Alfabeto in Italian Monody: The Publications of Alessandro Vincenti. In: The Lute. Nr. 33, 1993, S. 12–22.
cite-note-1616. ↑ Frank Koonce: The Baroque Guitar in Spain and the New World: Gaspar Sanz, Antonio de Santa Cruz, Francisco Guerau, Santiago de Murcia. Mel Bay Publications, Pacific MO 2006, ISBN 978-0-7866-7525-8, S. 2.
cite-note-1717. ↑ Frank Koonce: The Baroque Guitar in Spain and the New World. 2006, S. 10 f. (Alfabeto Chord Charts und Reading Alfabeto Notation).
cite-note-1818. ↑ Jerry Willard (2006), Band 1, S. 19–21 und 25–32.
cite-note-1919. ↑ Jerry Willard (Hrsg.): The complete works of Gaspar Sanz. 2 BĂ€nde. Amsco Publications, New York 2006 (Übersetzung der Originalhandschrift durch Marko Miletich), ISBN 978-0-8256-1695-2, Band 1, S. 9 f., 19 und 25–32.
cite-note-2020. ↑ Vgl. auch Doisi de Velasco: Nuevo modo de cifra para tañer guitarra. 1640.
cite-note-2121. ↑ Adalbert Quadt: Gitarrenmusik des 16.–18. Jahrhunderts. Nach Tabulaturen hrsg. von Adalbert Quadt. Band 1–4. Deutscher Verlag fĂŒr Musik, Leipzig 1970 ff.; 2. Auflage ebenda 1975–1984, Vorwort (1970).
cite-note-2222. ↑ James Tyler: A guide to playing the baroque guitar. Indiana University Press, Bloomington/Indianapolis 2011, ISBN 978-0-253-22289-3, insbesondere S. 10–11 und 20–23.
cite-note-2323. ↑ Frank Koonce: The Baroque Guitar in Spain and the New World. Mel Bay Publications, Pacific MO 2006, ISBN 978-0-7866-7525-8, S. 11.
cite-note-2424. ↑ Joe Washington: Das Strata-System – auf Akkorddiagramme gegrĂŒndet. In: Die Beatles fĂŒr klassische Gitarre. 20 Soli – arrangiert von Joe Washington. Wise Publications, London / New York / Sydney / Tokio / Köln 1978, S. 7–10.
cite-note-2525. ↑ HĂ©lĂšne Charnasse: Transkription deutscher Lautentabulaturen per Computer. Ein Forschungsbereich des E.R.A.T.T.O.-Teams (C.N.R.S. France). Übertragung aus dem Französischen von Ingrid Hacker-Klier. In: Gitarre & Laute, Band 1, Heft 4, 1979, S. 16–23.